Eigentlich hatte ich keine große Lust zum Konzert zu gehen. Gerade war ich von der Arbeit gekommen, hatte einen riesen Hunger und schon mussten wir wieder los. Die erste halbe oder dreiviertel Stunde des Konzerts war dann tatsächlich auch mehr oder weniger durchschnittlich. Nach der Pause zogen Rufus und Band nochmal an. Nachdem sie meinen fast epischen Lieblingssong “Beautiful Child”
( Rufus Wainwright – Beautiful Child) spielten, konnte ich mich allerdings nicht mehr gegen den Charme des Songwriters wehren, und war fortan gefangen im Bann von Rufus und Band. Die hervorragende Akustik im Sendesaal hat sicher ihr übriges dazu getan. Der Klang war wirklich der reinste Genuss. Perfekt abgemischt war Rufus’ Stimme im Vordergrund, keines der Instrumente stach unangenehm hervor. Enttäuschend waren stellenweise die Bläser, die ihre Partien nicht richtig auspielten. Ich habe mich gerade auch bei Beautiful Child auf die vielen Trompetensolos gefreut, die live allerdings allesamt zu früh abgebrochen wurden. Schade. Das leichte Playback lässt sich wohl damit begründen, dass das Konzert vom rbb (live?) übertragen und aufgezeichnet wurde. So ergab sich wohl ein perfekteres Klangbild. Korrigier mich, wenn ich falsch liege, aber teilweise hatte ich den Eindruck kleiner Einspieler vom Band im Ohr.Ganz anders, aber nicht weniger unterhaltend, war der auf eine gefühlte Stunde ausgedehnte Abschiedsprozess von Band und Publikum. Zuerst gingen einfach alle von der Bühne, nach der ersten “Zugabe”, bekam jeder Musiker ein ausgiebiges Solo, angeführt von Rufus selbst. Nachdem danach der Applaus noch immer nicht abreißen wollte, kam Wainwright mit dickem weißen Bademantel auf die Bühne. Als Zuschauer bekam man den Eindruck, besonders fleißig geklatscht zu haben, sodass einem der Künstler schon abgeschminkt noch einmal die Ehre erwies. Alles stellte sich allerdings bald als geplant heraus, was die Sache natürlich nicht weniger gut macht: Rufus setzt sich direkt vor die erste Reihe des Publikums, zückt einen dicken Glitzerklunker und steckt ihn sich an den Finger, ebenso zwei große Steinchen an die Ohren und als letztes dicken, roten
Lippenstift auf den Mund, lässt den Bademantel fallen und: verwandelt sich binnen kürzester Zeit in eine elegante Entertainment-Queen und fegt à la Judy Garland über Bühne unterstützt von seinen allesamt männlichen Bandkollegen im sexy Smoking. Prädikat: Sehr Geil!
Ebenfalls gestern ist übrigens seine neue Live-DVD erschienen „Rufus! Rufus! Rufus! Does Judy! Judy! Judy!” Die angehängte Bildergalerie sollte man eigentlich niemandem zumuten, die billigen Handyfotos sind es leider nicht wert. Doch die bösen Blicke, die das leuchtende Display meines Handys auf sich gezogen hat, seien mit der Veröffentlichung dieser Bilder entschuldigt.